Aus Bio-Müll entsteht Strom und Wärme
Aus Bio-Müll entsteht Strom und Wärme für Landwasser
Freiburg – Was wird aus dem Biomüll, der von den Bürgern in Freiburg und im Breisgau-Hochschwarzwald mittels der braunen Tonne entsorgt wird? Eine überzeugende Antwort liefert die Stadt Freiburg.
Sie hat ein ökologisch und ökonomisch beispielhaftes Gemeinschaftsprojekt gestartet, in das der Energieversorger Badenova, das Entsorgungsunternehmen Remondis und die städtische Abfallwirtschaft und Stadtreinigung (ASF) fast drei Millionen Euro investiert haben. Sie gewinnen in einem Blockheizkraftwerk (BHKW) im Freiburger Stadtteil Landwasser Strom und Wärme aus Abfallgasen für über 6000 Bürger und wollen so die dezentrale Energienahversorgung revolutionieren.
Das mustergültige Verfahren im Freiburger Nordwesten sei deutschlandweit einmalig und könne bundesweit mustergültig für die Energiegewinnung aus Deponien seien, lobte Freiburgs Oberbürgermeister Dieter Salomon (Bündnis 90/die Grünen) bei der Eröffnung der für rund 2,7 Millionen Euro modernisierten Anlage im Nordwesten Freiburgs. Überdies verringert die Anlage den Ausstoß von giftigen Klimagasen (CO2) um jährlich 10 000 Tonnen. „Diese Kooperation mit verschiedenen Partnern zeigt beispielhaft, wie nachhaltiges Wirtschaften zugunsten des Klimaschutzes möglich ist“, so Freiburgs Umweltbürgermeisterin Gerda Stuchlik.
Schon seit 20 Jahren wird Energie aus der Freiburger Deponie Eichelbuck gewonnen. 1991 begann das damalige rein städtische FEW-Unternehmen (Freiburger Energie und Wasserwirtschaft) damit, Methangas, das beim Vergären von Hausmüll entstand, aus der Freiburger Deponie Eichelbuck abzusaugen und zu klimafreundlicher Strom- und Wärmeerzeugung zu nutzen. Per Rohrleitung gelangte das Gas in den Stadtteil Landwasser, wo es im Blockheizkraftwerk (BHKW) zu Wärme und Strom verwertet wurde. So konnten bis zu 45 Prozent des Wärmebedarfs im Stadtteil durch den regenerativen Energieträger Deponiegas abgedeckt werden.
Jetzt wurde eine Modernisierung der Deponiegasnutzung notwendig. Durch die Stilllegung der Deponie Eichelbuck vor sechs Jahren fiel der Methangas-Anteil unter 50 Prozent, was eine sinnvolle Nutzung des Deponiegases in Frage stellte. „Da seit 2005 kein frischer Hausmüll mehr auf der Deponie Eichelbuck abgelagert wird, nahm der Brennwert stetig ab, die bewährte Lösung stand vor dem Aus“, erklärte Michael Broglin, Geschäftsführer der ASF. Er wollte das Deponiegas nicht einfach abfackeln und weiter einer sinnvollen ökologischen Lösung zuführen. Deshalb sorgte er für eine Beimischung von Biogas aus der benachbarten Bioabfallvergärungsanlage des Abfallentsorgers Remondis.
In dieser Bioabfallvergärungsanlage wird der gesamte Bioabfall von rund 35 000 Tonnen pro Jahr aus Freiburg und dem Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald gesammelt und zu erneuerbarer Energie verwertet. „Was die Bürger in der braunen Tonne entsorgen, wird dort zu erneuerbarer Energie verarbeitet“, erläuterte Remondis-Chef Norbert Rethmann. Bisher wurde das aus Speiseresten erzeugte Biogas in Strom umgewandelt, der ins öffentliche Netz der Badenova eingespeist wurde. Der Wärmeanteil der Energie ging ungenutzt verloren, da es in der Nähe keine geeigneten Wärmeabnehmer gab.
Das Biogas wird jetzt über eine neu verlegte 1,5 Kilometer lange Gasleitung zum Blockheizkraftwerk (BHKW) in den Mooswald transportiert. Dort trifft es auf die bereits vorhandene vier Kilometer lange Leitung, die Deponiegas von der Deponie Eichelbuck nach Landwasser liefert. Beide Leitungssysteme wurden im Dezember von Badenova-Wärmeplus verbunden. „Mit der regenerativ bereitgestellten Energie können etwa 4900 Haushalte ein Jahr lang mit Strom und etwa 1200 Haushalte mit Wärme versorgt werden“, teilte Klaus Preiser, Geschäftsführer von Badenova-Wärmeplus, mit. Damit sei die ökologische Energieversorgung Landwassers für die kommenden Jahre gesichert.
Quelle: Südkurier

